(Der STERN-Dez 1999) - Berlin: Viele von uns wissen, dass West-Berlin 1948/49 von den West-alliierten durch eine Luftbrdcke versorgt wurde. Aber wieviele von uns wissen, daß es ein Mitglied unserer Kirche war, das maßgeblich während dieser Zeit dazu beitrug, eine lange und herzliche Freundschaft zwischen den Berlinern und den amerikanischen Soldaten aufzubauen?
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| Der 'Schokoladenflieger' Gail Halvarson zu Besuch in Berlin |
Bruder Gail Halvarson wurde 1948 als junger Pilot nach Frankfurt am Main versetzt, um von dort aus Güter in das eingeschlossene Berlin zu fliegen. Während einer der seltenen Freistunden sah er am Rande des Flughafens Berlin-Tempelhof ein paar Kinder hinter dem Zaun stehen. Er unterhielt sich mit ihnen so gut es eben ging, war erstaunt festzustellen, dass sie ihn nicht gleich nach Süßigkeiten fragten. Zum Schluss gab er ihnen zwei Stangen Kaugummi, die sie gerecht unter allen aufteilten. Er versprach ihnen, noch mehr abzuwerfen. Sie würden seine Maschine daran erkennen, dass er kurz vor der Landung mit den Flügeln der Maschine wackeln würde. Und am nachsten Tag landete tatsächlich ein Fallschirm aus einem Taschentuch mit Süßigkeiten daran aus seinem Flugzeug direkt vor den Füßen der Kinder.
Bruder Halvarson lehrte uns bei einer Fireside im Berliner Alliiertenmuseum, dass es oft die kleinen Entscheidungen im Leben sind, die großen Einfluss auf unser Leben haben: Im Laufe der Zeit beteiligten sich immer mehr Piloten an dieser Aktion, die dann auch von seinen Vorgesetzten und schliesslich auch von der amerikanischen Bevölkerung engagiert unterstützt wurde. Bruder Halvarson setzte seine Karriere bei der US Air Force fort, doch die Berliner hatten ihn ins Herz geschlossen, so daß er immer wieder nach Berlin eingeladen wurde, um dort über dem Flughafen Süßigkeiten in Fallschirmen für die Kinder abzuwerfen. 1970-74 diente er sogar als Kommandant des Flughafens Tempelhof.
Von Dr. Helmut Trotnow, dem Leiter des Alliiertenmuseums, gefragt, welche Lehre er denn an die Zuhörer weitergeben möchte, die er aus den Erlebnissen der Luftbrücke gezogen habe, antwortete Bruder Halvarson, dass ihn die Kinder 1948 gelehrt hätten, dass Freiheit wichtiger ist, als Essen und Vergnügen. Sie waren bereit, Opfer zu bringen und zu teilen, um sich ihre Freiheit zu erhalten. Dies sollten wir auch heute nicht anders tun!
Bruder David Geissler, der im letzten jahr durch Bruder Halvarson das Evangelium kennengelemt hatte, übersetzte für ihn. Nachher gab es noch ausgiebig Gelegenheit, Fragen zu stellen und vor dem Museum Fotos von und mit Bruder Halvarson zu machen.
Bruder Halvarson, der sich anläßlich der Feierlichkeiten zum 50jährigen Jubiläum des Endes der Berliner Blockade als offizieller Gast in Berlin aufhielt, wird von allen Berlinern, nicht nur den Mitglieder der Kirche, hoffentlich noch lange für seine kleine Geste mit grosser Wirkung in Erinnerung bleiben. Danke, "Mr. Schokoladenflieger!"
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| Gail Halvarson signiert ein Plakat zum Luftbrückenjubiläum |