Trauergottesdienst von Inga Schütze

Ulrich Rückauer

(Der Stern--Mai 1999) - Leipzig: Zu einem bewegenden Trauergottesdienst versammelten sich am 23. November 1998 etwa 280 Angehörige, Freunde der Familie und Mitglieder der Kirche aus verschiedenen Pfählen der Kirche im Gemeindehaus Köthen, um von Inga Schütze abschied zu nehmen. Sie war beim Versuch, einem auf der Autobahn liegengebliebenen Verkehrsteilnehmer Hilfe zu leisten, von einem Fahrzeug erfasst worden und ist noch am Unfallort verstorben.

Die Trauerfeier vereinte die wegbegleiter von Inga Schütze, der Frau von Manfred Schütze, noch einmal für ein ehrendes Gedenken, zu dem auch Chormitglieder des Pfahles Leipzig mit dem Vortrag aus dem Liedgut der Kirche "Kommet zu Jesus" und Schwester Sabine Tilgner mit dem bewegenden Solo-Gesangvortrag "Mein Herz sei still" beitrugen.

Elder Joseph B. Wirthlin vom Kollegium der Zwölf mit seiner Frau, Elisa, und Elder Dieter F. Uchtdorf vom Ersten Siebzigerkollegium un Präsident des Gebiets Europa West mit seiner Frau, Harriett, brachten ihre Anteilnahme in ihren Botschaften zum Ausdruck.

Ihr war ihre Familie Mittelpunkt ihres erfüllten Lebens. Kennzeichnend für ihren Charakter und ihr Wesen waren ihre geradlinige Art mit Menschen umzugehen. Ihre Scheu vor dem Rampenlicht verlor sie dort, wo sie in der Gemeinde und anderswo tatkräftig wirken und andere am Leben beteiligen konnte.

Schwester Inga Schütze, die selbst 18 Jahre lang in der Primarvereinigung in der Gemeinde und im Distrikt und zuletzt noch mit grosser Freude als PV-Leiterin im Zweig Bernburg gedient hat, stand zeitlebens ihrem Mann zur Seite. Das galt besonders, als er Anfang Juni 1984 als erster Präsident des Pfahles Leipzig und später als Präsident der Deutschland-Mission Berlin (1991-1994) berufen wurde.

Ein Missionar aus jener Zeit erinnert sich: "Den mehreren hundert Missionaren, für die Schwester Schütze eine Mutter und Lehrerin war, hinterliess sie unauslöschliche Erinnerungen und Lehren, die uns für immer inspirieren und dazu leiten werden, unseren Lebensweg im Glauben zu gehen, so wie Schwester Schütze es getan hat."

Eine enge Beziehung hatte sie auch viele Jahre zum Bildungswesen der Kirche als Seminarlehrerin und CES-Sekretärin. Als sie einmal gebeten wurde, auf einer Lehrerschulung darüber zu sprechen, warum und wie man im Unterricht die Lieder der Kirche singen kann, sagte sie nur: "Darüber muss man nicht sprechen, das muss man einfach tun!"

Inga Schütze geborene Heinritz kam 1941 in Meiningen in Thüringen zur Welt. Sie studierte an der Universität Leipzig, wo sie auch ihren späteren Ehemann kennenlernte. In ihrer Berufung als Tempelarbeiterin im Freiberg-Tempel in Sachsen waren ihre guten Kenntnisse der russischen Sprache eine grosse Hilfe, besonders bei den Erstbegabungen für Mitglieder aus Osteuropa. "Wir waren so nervös, als wir im September zum ersten Mal zum Tempel kamen. An der Eingangstür stand Schwester Schütze und begrüsste uns in unserer Muttersprache. Sie erschien uns wie ein rettender Engel und half uns liebevoll bei allen Verordnungen," sagte Schwester Alla Smirnowa aus Minsk in Weissrussland.

Schwester Schütze, die außer ihren Ehemann noch drei verheiratete Kinder und acht Enkel hinterlässt, wurde im Familienkreis in ihrer Heimatstadt Bernburg beigesetzt. Präsident Michael Schulze, neuberufener Missionspräsident, weihte das Grab. Inga Schütze bleibt uns ein Vorbild an Selbstdisziplin, Lauterkeit und christlichem Dienst.

In gewisser Weise erfüllt sich an ihr das Segenswort des Patriarchen Carl Ringger, der ihr verhiess, sie habe eine grosse Mission in einem ewigen Dasein zu erfüllen. Wir sind überzeugt, dass sie auch auf der anderen Seite des Schleiers mit gleichem Einfühlungsvermögen und voller Energie wie hier tätig sein wird.