Eine Statue für den Freiberg-Tempel

Elder Eugene und Schwester Claire Freedman
Die Statue des Engels Moroni strahlt nun von der Turmspitze des Freiberg-Tempels.

(Der Liahona--Mai 2002) - Als es nachts in Freiberg heftig schneite, sagte Magnus R. Meiser, der ehemalige Tempelprasident, zu seiner Frau: „Morgen, wenn der Engel Moroni auf den Tempel gestellt wird, scheint die sonne.“ Man wollte im Zuge der Renovierung des Freiberg-Tempels eine Statue des Engels Moroni befestigen.

Und tatsachlich, als die Statue am 20. Dezember 2001 an der spitze des Tempelturms befestigt wurde, teilten sich die Wolken, der blaue Himmel kam zum Vorschein und sonnenstrahlen brachen durch. Eine stille Ehrfurcht war unter den Heiligen bemerkbar, die sich versammelt hatten, um die Veiwirklichung ihrer Träume und Gebete mitzuerleben.

Der Freiberg-Tempel wurde in den Jahren 1983 bis 1985 in der ehemaligen DDR errichtet. Damals durfte schon im Plan keine Statue des Engels Moroni enthalten sein.

„Es war auch früher ein besonderer Tempel, aber die Regierung genehmigte keinen Engel“, sagte der Tempel-prasident Gerhard Grünewald. „Ich denke, sie akzeptierten die Kirche, aber sie mochten sie nicht wirklich. Es war schon ein besonderes Recht, dass sie uns überhaupt erlaubten, einen Tempel zu bauen.“

Jetzt wird der Tempel gerade umgebaut. Und obwohl das Gebaude nach Osten hin vergrößert wird, bleibt das ursprüngliche Aussehen erhalten. Durch den Anbau wird der Tempel etwa doppelt so groß wie zuvor.

Neue Raumlichkeiten schließen einen Wartebereich, einen Raum für die Tempelßoberin beziehungsweise ein Brautzimmer sowie ein Büro für den Tempelprasidenten ein. Auch das Baptisterium wird neu gestaltet --mit einem Taufbecken mit 12 Rindern, erweiterten Umkleideraumen, eigenen Bereichen für heilige Handlungen und Einrichtungen für Tempelbesucher mit Behinderung. Der Umbau wird im sommer 2002 abgeschlossen.
Der Freiberg-Tempel wird renoviert. Danach wird er beinahe doppelt so groß sein wie zuvor.

„Ich denke, es sind großartige Zeichen, dass der Tempel erweitert und renoviert und die Statue des Engels Moroni auf dem Tempelturm aufgestellt wird“, sagte Elder D. Lee Tobler von den siebzigern, Prasident des Gebiets Europa Mitte, der bei der Aufstellung der Statue den Vorsitz führte. „Dies veranschaulicht den Glauben der Mitglieder vor dem Krieg, wahrend des Krieges und wahrend der vielen Jahre nach dem Krieg, als es nicht leicht war, glaubenstreu zu sein.“

Prasident Thomas S. Monson, Erster Ratgeber in der Ersten Prasidentschaft, führte aus: „Zur Zeit der Weihung [im Jahre 1985] richtete sich die Aufmerksamkeit der internationalen Presse auf diesen Tempel in seiner ungewöhnlichen Lage. Man horte oft die Fragen wie und warum. Das war vor allem während der Tage der offenen Tür offensichtlich, als 89 872 Menschen den Tempel besichtigten. Manchmal musste man bis zu drei Stunden warten, gelegentlich auch im Regen. Niemand gab auf. Allen wurde das Haus Gottes gezeigt.

Als dann die Weihungsgottesdienste stattfanden und Prasident Gordon B. Hinckley das Weihungsgebet sprach, pragten Lobeshymnen, Zeugnisse von der Wahrheit, Tränen der Dankbarkeit und Dankgebete dieses historische Ereignis. Um zu verstehen wie, und zu erfassen, warum, muss man den Glauben, die Hingabe und die Liebe der Mitglieder der Kirche dort kennen. Es sind nicht einmal fünftausend, aber an Aktivitat übertreffen sie alle übrigen auf der ganzen Welt.“ (Siehe „Wer Jesus liebt“, Der Stern, Marz 1999, Seite 6f.) Nach der Fertigstellung kamen die Mitglieder mit unaussprechlicher Freude, um das Wunder des Tempels zu erleben. Selbst die Bewohner Freibergs nannten ihn „unseren Tempel“.

Der Tempel brachte dieser Stadt neue Hoffnung. Zu Beginn der gegenwärtigen Renovierung waren die Ortsansässigen bestürzt. „Was machen Sie mit unserem Tempel?“, fragten sie. „Wo ist der Turm ?“

Man lud die Menschen aus der Stadt zu einer Versammlung ein, in der Prasident Meiser erklarte: „Er wird schöner werden. Das Grundstück wird größer und wird wie ein Park sein.“ Die Stadtbewohner gingen danach zufrieden und glücklich nach Hause.

Unter denen, die sich anlässlich der Aufstellung der Statue des Engels Moroni versammelt hatten, befand sich Erick Dzierzon, der vor 76 Jahren getauft wurde. Als er mit seiner Frau dastand und die Vorgänge beobachtete, drückte er seine Freude darüber aus, dass die Statue aufgestellt wurde. „Endlich ist das Symbol, das wir auf der ganzen Welt finden, auch hier“, sagte er. „Es war ein Wunder, dass der Tempel gebaut wurde. Jetzt haben wir dieses besondere Symbol. Jetzt haben wir die Rinder in unserem Baptisterium. Sie wissen gar nicht, wie viel uns das bedeutet.“

Prasident Grünewald erzählte von den Heiligen, die von weither nach Freiberg kommen, wie etwa aus der Ukraine und aus Teilen Russlands. Manche Mitglieder sind fur eine Strecke 52 Stunden im Bus unterwegs. „Es sind Menschen, die ohne Gott und ohne Bibel gelebt haben, und die nun glaubensstark genug sind, um zum Tempel zu kommen“, sagte er.

Im Freiberg-Tempel kann man die Verordnungen in neun Sprachen empfangen, und die Tempelarbeiter, die hier dienen, sprechen viele verschiedene Sprachen. Prasident Grünewald, der selbst acht Sprachen spricht, sagte: „Wir bereiten die Tempelarbeiter darauf vor, dass sie eines Tages in Tempeln dienen können, die in ihrem eigenen Land errichtet werden.“